Atemberaubende Klang- und Lichterlebnisse im Kammermusiksaal

Die geschwungene Glaswand um den Kammermusiksaal wird durch einen umlaufenden, schmalen LED-Streiflichtkanal begleitet und beleuchtet den Vorhang bei einem Konzert mit einem sanften Licht.

Die geschwungene Glaswand um den Kammermusiksaal wird durch einen umlaufenden, schmalen LED-Streiflichtkanal begleitet und beleuchtet den Vorhang bei einem Konzert mit einem sanften Licht. (Quelle: Marcus Ebener)

Die Allgemeinbeleuchtung des Saals erfolgt durch insgesamt 90 zylindrische Pendelleuchten in Sonderkonstruktion, die in ihrer Anordnung der Gestaltung der Decke folgen.

Die Allgemeinbeleuchtung des Saals erfolgt durch insgesamt 90 zylindrische Pendelleuchten in Sonderkonstruktion, die in ihrer Anordnung der Gestaltung der Decke folgen. (Quelle: Marcus Ebener)

Die geschwungenen Wände des Kammermusiksaals, dem Herzstück des Ensembles, sind das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Volker Staab und dem renommierten Akustiker Martijn Vercammen. So ist mit der Synthese aus akustischen Anforderungen und architektonischem Gestaltungswillen ein Konzertsaal geschaffen worden, der in seiner freien und kompakten Form einzigartig ist. Um eine exzellente Akustik zu erreichen, sind die Wände konkav und konvex geschwungen. Sie tragen und reflektieren den Klang für das Publikum. Die Größe der Bühne ist flexibel anpassbar: Sie bietet Platz für Solisten und kleine Ensembles, aber auch für eine Kammerphilharmonie mit 65 Musikern. Das Zuhörerparkett umfasst 13 Sitzreihen und wird durch zwei Sitzreihen auf den oberen Rängen ergänzt.

Die Allgemeinbeleuchtung des circa 14 m hohen Saals erfolgt durch insgesamt 90 zylindrische Pendelleuchten in Sonderkonstruktion, die in ihrer Anordnung der Gestaltung der Decke folgen. Die Pendelleuchten bestehen aus einem bräunlich getönten Glaskörper, der im ausgeschalteten Zustand geschlossen anmutet und bei eingeschaltetem Licht transluzent und leicht wirkt. Diese Lichtkomponente erfüllt den oberen Halbraum des Saals mit diffusem Licht und blendet dessen Holzoberflächen mit weichem Licht ein. Zusätzlich besitzt die Pendelleuchte eine Downlight-Komponente, die für gerichtetes Licht auf der Bodenebene sorgt. Um vorprogrammierte, individuelle Lichtszenen zu realisieren, sind beide Elemente getrennt voneinander schaltbar, während jede einzelne Leuchte in ihrer Intensität bei einer konstanten Lichtfarbe von 3 000 K ansteuerbar ist. Zu kleinteiligen Gruppen zusammengefasst, lassen sich die Pendelleuchten zu unterschiedlichen „Schwärmen“ formieren. Die Größe des Schwarms reagiert dabei auf die Größe der genutzten Bühnenfläche und inszeniert angemessen Bespielungen vom Solisten über Kammerspiele bis zu großen Orchestern.

Die Lichtplaner haben in enger Abstimmung mit den Architekten und dem Nutzer diverse Lichtszenen entwickelt, die einen schrittweisen Atmosphärenwechsel vom hell erleuchteten Saal bis hin zur intimeren Konzertsituation ermöglichen. So präsentiert die Lichtszene „Einlass“ inklusive der Pendelleuchten mit diffus- und gerichtetem Lichtanteil zunächst den gesamten Raum in voller Pracht. Um im Anschluss die Besucher zu ihren Plätzen zu leiten, werden in der folgenden Szene die Leuchten über dem Publikum langsam ausgeblendet und der Diffusanteil über der Bühne verliert an Intensität. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Bühne gelenkt, bis schließlich das Maximum an Zonierung und Fokus erreicht ist. Durch die Möglichkeit von Schwarmbildung kann beispielsweise mit nur vier Pendelleuchten eine äußerst dramatische Stimmung für etwaige Ansprachen geschaffen werden oder mit einer größeren Leuchtengruppierung exakt auf die verschiedenen Größen der Bühnen bzw. der Sitzordnungen des Orchesters reagiert werden. Sogar für den Applaus gibt es eine spezifische Lichtszene, indem sich die Beleuchtung auf der oberen Tribüne einschaltet und damit Teile des Publikums sichtbar macht. Ergänzt wird das Licht auf der Bühne durch Strahler, die für eine dezente Gesichtsfeldausleuchtung hinter ausklappbaren Blenden hervortreten.

In die Setzstufen des Zuschauerraums sind kleinformatige Einbauleuchten integriert, die während der gedimmten Lichtsituation eines Konzertes für eine sichere Bewegung und Orientierung der Zuschauer sorgen. Die mit der oberen Foyerebene abschließenden Ränge sind mit deckenbündigen Downlights angemessen beleuchtet, während die Wandflächen bei den holzverkleideten Eingängen durch Wallwasher markiert werden und wie selbstverständlich zur Orientierung im Raum beitragen.

2 / 3

Ähnliche Beiträge