Eine Trainingswand für angehende Elektroniker

Eine Trainingswand für angehende Elektroniker (Quelle: Martin Witzsch)

Berufsausbildung oder Studium? Ein ausbildungsintegriertes Studium bietet beides. Auch Philipp Kühn hat diesen Weg gewählt. Er studiert Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften „Ostfalia“ in Wolfenbüttel; seine parallel begonnene Berufsausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik an den Berufsbildenden Schulen II in Wolfsburg (BBS II) hat er inzwischen abgeschlossen. Seine Abschlussarbeit über die Messung von Energie und Leistung in Gebäuden ist genauso außergewöhnlich und ambitioniert wie seine Ausbildung. Sie passt weder auf einen USB-Stick noch zwischen Aktendeckel. Vielmehr füllt sie eine mehrere Quadratmeter große Stellwand – eine Trainingswand, an der sich mittels verschiedener Komponenten, wie Verteiler, Verbraucher sowie Mess- und Steuerungsgeräte, ein kleiner Industriebetrieb simulieren lässt.

Es gibt einen Versorgungsraum mit der Hauptverteilung, einen Bürotrakt und eine Produktionshalle mit jeweils einer Unterverteilung sowie einer Wallbox für E-Fahrzeuge. Das Modell bildet ein kleines Unternehmen ab, lässt sich aber auf eine große Fertigungsstätte mit mehreren Produktionsbereichen hochskalieren. Die Verbraucher in den Räumen werden durch einzelne Leuchten, elektrische Jalousien usw. simuliert. Für größere Lasten ist über der eigentlichen Trainingswand eine 1-kW-Infrarot-Wärmeplatte verbaut. Zwei Wände mit einem nahezu identischen Aufbau waren vorhanden. In diese sollten P. Kühn und ein weiterer Absolvent die entsprechende Messtechnik einbauen.

Unterricht über den Lehrplan hinaus

Die treibende Kraft hinter den Abschlussarbeiten ist Stefan Manemann, Berufsschullehrer und Abteilungsleiter der Fachschule Technik Metalltechnik und Elektrotechnik an den BBS II. „Ich will einen möglichst handlungsorientierten Unterricht, der den Schülern Spaß macht. Damit man nicht nur aus Schulbüchern lernt, bauen wir mit dual Studierenden Arbeitsplatzumgebungen auf, die der Realität entsprechen“, beschreibt er seine Motivation. S. Manemann nutzt alle Spielräume, die ihm der Lehrplan bietet, um aktuelle Entwicklungen aufzugreifen. So sind, teils durch das Energieeffizienzgesetz, teils durch steigende Energiekosten, immer mehr Unternehmen gehalten, sich mit Energie- und Leistungsmessung zu befassen und beispielsweise ein Energiemanagementsystem einzuführen.

Deshalb behandelt S. Manemann neben Grundwissen zum Aufbau von Haupt- und Unterverteilern zunehmend Steuerungen und smarte Messtechnik. So auch in der Abschlussarbeit von P. Kühn: In die vorhandene Trainingswand sollten insgesamt drei Messgeräte installiert werden, eines in der Hauptverteilung und jeweils eines pro Unterverteilung. Die erfassten Daten sollten sowohl lokal an einem Siemens-Simatic-HMI-Display als auch global durch eine webbasierte Oberfläche in Form von Charts und Zahlen dargestellt werden. Außerdem sollten die Daten in einer Influx-DB-Datenbank gespeichert werden. Die Datenbank-Anbindung gehörte nicht mehr direkt zu der Abschlussarbeit, erschien aber wünschenswert und sinnvoll. Dies übernahm Heinrich Zander, ebenfalls dualer Student an der Ostfalia: „Ich habe als Ansprechpartner für IT-Themen unterstützt, d. h. ich habe mich um den Server gekümmert und dafür gesorgt, dass die lokal erfassten Daten dort gespeichert wurden. So konnten wir sie auch im Internet visualisieren.“

Recherche in der Industrie

Damit die Schulprojekte tatsächlich die Anforderungen von Industrie und Gewerbe widerspiegeln, hat S. Manemann gründlich recherchiert. Natürlich ist in Wolfsburg das Volkswagenwerk ein wichtiger Ansprechpartner. Viele Absolventen der Berufsschule starten dort ins Berufsleben. Neben Messebesuchen wurde S. Manemann auch dort vorstellig. „Wir haben uns umgesehen, was in der Industrie eingesetzt wird. So sind wir auf Janitza gestoßen. Die Geräte zur Energie- und Leistungsmessung sind in vielen Anwendungen zu finden. Auch bei Volkswagen sind sie häufig verbaut“, erinnert er sich. Deshalb plante er, die Abschlussarbeit von P. Kühn mit Komponenten von Janitza zu realisieren. Für die Wand des anderen Absolventen griff er auf einen anderen Hersteller zurück, um Neutralität zu gewährleisten.

Der Kontakt zu dem Messtechnikspezialisten war rasch hergestellt: „Ich habe gefragt, ob sich Janitza einmal ansehen kann, was wir realisieren möchten. Solche Systeme sind relativ neu und wir hatten damit noch keine Erfahrung. Glücklicherweise kam von Janitza sehr schnell eine Zusage. So ist die Kooperation entstanden.“

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