Außergewöhnliche Dimension der Gewerke

Florian Bürk, seinerzeit Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische, mit Heinemann-Projektleiter Christian Deser (Quelle: Claus Heinemann Elektroanlagen & Fränkische)

In der Multifunktionsarena wird unter anderem Erstliga-Eishockey zu sehen sein; zudem bieten drei angegliederte unterirdische Eisflächen vielfältige Möglichkeiten für Jugendtraining und Breitensport. Die Lisenen der Fassade greifen diesen Eissport-Schwerpunkt auf und sind optisch der Form eines Eishockey-Schlägers nachempfunden. (Quelle: Claus Heinemann Elektroanlagen)
Unabhängig von dieser Aufgabe war indessen auch schon die klassische Elektroinstallation anspruchsvoll genug. So mussten beispielsweise im Bereich der veranstaltungsbegleitenden Übertragungstechnik über 500 individuell bespielbare TV-Screens angeschlossen werden, die über die gesamte Arena verteilt sind. Auch für einen Videowürfel unter der Hallendecke mit insgesamt 209 m2 Projektionsfläche und mehr als 16 t Gewicht sowie ein zwischen den Zuschauerrängen umlaufendes Fasciaboard von 263 m Länge galt es die nötigen betrieblichen Voraussetzungen zu schaffen. Weitere Kernaufgaben waren die elektrischen Anschlüsse für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie die leitungstechnische Anbindung zweier Systeme zur teilautarken Energieversorgung: einer Photovoltaikanlage auf dem Hallendach, deren 799 Module den Strom für den Betrieb mindestens einer der Eisflächen bereitstellen, sowie eines Wärmerückgewinnungssystems, das die Abwärme der Kältemaschinen in die Wärmeversorgung der Halle integriert. Und nicht zuletzt war auch die unterbrechungsfreie Stromversorgung der Gebäude-IT sicherzustellen. Insgesamt wurden im SAP Garden schließlich mehr als 1000 km elektrische Leitungen, rund 300 Stromkreisverteiler sowie 5000 Steckdosen und Schalter verbaut, um gebäudeübergreifend eine Gesamtleistung von 10 MW bereitstellen zu können.
Halogenfreie Rohre für Brandschutzbereiche
Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung dieser Anschlüsse war die Verlegung von hochwertigen und langlebigen Elektroinstallationsrohren, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen und zugleich einer strukturierten Gebäudeverkabelung dienen. „Diese Installationsrohre werden schon im Zuge des Rohbaus in Wände, Decken und Treppen integriert und von uns dann später mit Kabeln belegt“, erklärt Projektleiter C. Deser das Vorgehen und nennt auch gleich ein Beispiel für die Unterstützung einer strukturierten Verkabelung: „In der Lüftungszentrale etwa konnten wir die gesamte Verkabelung der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik über Installationsrohre miteinander verbinden.“
Insgesamt wurden im SAP Garden rund 100 km Elektroinstallationsrohr verlegt. Welche Rohrsysteme in welchen Anwendungsbereichen zum Einsatz kamen, war dabei Gegenstand sorgfältiger Einzelfall-Abwägungen, bei denen über die Schutz- und Strukturierungsaufgaben hinaus stets noch weitere Aspekte berücksichtigt werden mussten. So entschieden sich Heinemann und Fränkische beispielsweise dafür, im Umkreis von Fluchtwegen und Feuerwehr-Zugängen halogenfreie Rohre vom Typ FPKu-EM-F-LS0H Low Smoke einzusetzen, die hohen Temperaturen bis zu 120 °C widerstehen. Die flammwidrigen und selbstverlöschenden Spezialrohre lassen im Brandfall keine toxischen oder ätzenden Gase entstehen und zeichnen sich durch äußerst geringe Rauchentwicklung aus, was bei Evakuierung und Brandbekämpfung von entscheidender Bedeutung ist.
Dachinstallation unter strengen Denkmalschutzauflagen
Eine weitere spezielle Herausforderung ergab sich aus der großangelegten PV-Anlage auf dem ovalen Dach der Arena. Sie durfte das Dach nicht zu stark belasten, um die Statik der Konstruktion nicht zu gefährden. Sie sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen aber auch nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen, um die Sicht auf die Bauwerke und das Landschaftsprofil des geschützten Areals nicht zu beeinträchtig.
Wichtigster Faktor war dabei die rund 74800 m2 große Zeltdachkonstruktion, die Olympiastadion, Olympiahalle und Olympia-Schwimmhalle überspannt und als eine der bedeutendsten architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts gilt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe des SAP Garden und kann auch von der Besucherterrasse der Arena sehr gut eingesehen werden. Das Ziel, den freien Blick auf diese Architektur-Ikone auch bei der Bestückung des Hallendachs mit Hunderten von Solarmodulen zu erhalten und das Dach zugleich nicht zu überlasten, wurde durch eine flache, leichte, aber dennoch stabile Modul-Tragkonstruktion erreicht, zu der auch Alu-Steck-ES-Aluminiumrohre von Fränkische samt AMS-E-Steckmuffen und ASG-E-Abstandsschellen gehören. Diese Elektroinstallationsrohre fügen sich unauffällig in die Tragkonstruktion ein, verbinden die Solarmodule untereinander und schützen deren Verkabelung vor UV-Strahlung und schädlichen Witterungseinflüssen.
Zusätzlicher Nachhaltigkeitsbeitrag durch ökobilanzierte Rohre
Angesichts der ökologischen Ausrichtung des SAP Garden spielten bei der Auswahl der Elektroinstallationsrohre Nachhaltigkeitsaspekte eine wichtige Rolle. Hier hat Fränkische mit den Kunststoff-Wellrohren, die nach ISO 14025 bzw. EN 15804 ökobilanziert wurden, eine Innovation im Portfolio, die sich nahtlos in das nachhaltige Konzept der Arena einfügt.
„Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung sind Elektroinstallationsrohre aus Kunststoff generell sehr nachhaltige Produkte, da sie eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren erreichen und anschließend noch der Wiederverwertung zugeführt werden können“, unterstreicht F. Bürk. „Mit unseren ökobilanzierten Rohren ist uns jedoch noch einmal ein Quantensprung gelungen, auf den wir als Unternehmen auch sehr stolz sind.“ Durch die Verwendung sogenannter Rezyklate, also wiederaufbereiteter Gebrauchsmaterialien, werden bei der Herstellung der neuen Rohre 60 % weniger fossile Ressourcen verbraucht und pro laufendem Meter 47 % weniger CO2Emissionen verursacht als bei der Produktion marktüblicher Kunststoff-Wellrohre.
Konkret verbaut wurden im SAP Garden ökobilanzierte Rohre für die Erdverlegung (Kabuflex R plus 450 co2ntrol) sowie für Unterputz-, Hohlwand- und Estrichinstallationen (FBY-EL-F co2ntrol). Darüber sind in der Multifunktionsarena noch weitere langlebige Kunststoffrohre zu finden, darunter FPKu-EM-F-Stangenrohre sowie FFKuSEM-F-Wellrohre mit hochgleitfähiger Innenschicht. Zudem wurden in vereinzelten Sichtbereichen metallgebundene Verrohrungen mit explizitem ästhetischem Anspruch verwirklicht. In Anbetracht dieser Lösungsbreite zieht C. Deser ein positives Fazit. „Wir hatten mit der Fränkischen einen innovativen Partner für diese Hightech-Arena – und im Endeffekt für jeden Anwendungsfall das passende Produkt.“
Perspektive Welterbe-Status
Durch die Realisierung der Elektroinstallation im Münchner SAP Garden waren Heinemann und Fränkische letztlich in ein Bauprojekt involviert, das nach Auffassung von Experten zu den europaweit innovativsten baulichen Unternehmungen der jüngeren Vergangenheit gezählt werden muss. Zwar lässt sich heute selbstverständlich noch nicht sagen, ob das neue Bauwerk dereinst denselben ikonischen Status besitzen wird, wie andere Teile des Olympiapark-Ensembles. Allemal aber ist es den Planern des SAP Garden gelungen, eine zeitgemäße Sportstätte im Geist der historischen Parkarchitektur zu realisieren und damit unter modernen Vorzeichen an die bahnbrechenden Überlegungen der preisgekrönten Architekten um Günter Behnisch und Frei Otto anzuknüpfen. Deren fortschrittliche Ideen für eine nachhaltige Bebauung und Gestaltung, für eine dauerhafte Harmonie von Natur und Technik spiegeln sich auch in der neuen Arena.
Die von Heinemann in Zusammenarbeit mit Fränkische realisierten elektrotechnischen Gewerke leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie entsprechen in Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Ausführung allen Anforderungen an eine zukunftsweisende Multifunktionsarena auf gebäudetechnisch höchstem Niveau. Sie erfüllen aber auch alle Denkmalschutzvorgaben und schreiben somit von technologischer Seite die historischen Leitgedanken des Geländes fort.
Das könnte noch von wachsender Bedeutung sein. Denn das Ensemble des Olympiaparks steht nicht nur seit einem Vierteljahrhundert unter Denkmalschutz, sondern inzwischen auch auf der Vorschlagsliste zum Unesco-Weltkulturerbe. Bis dieser Vorschlag zum Zuge kommt, dürften durchaus noch ein oder zwei Jahrzehnte vergehen. Gleichwohl können Heinemann und Fränkische vielleicht eines Tages von sich sagen, gemeinsam zu einem Bauwerk mit Welterbe-Status beigetragen zu haben – eine Perspektive mit Seltenheitswert.

