Kleiner Antrieb – großer Dreh
Es kommt nicht oft vor, dass von einem SEW-Motor derart niedrige Umdrehungszahlen gefordert werden. Die geringe Geschwindigkeit – eine Umdrehung in 24 Stunden –stellte die SEW-Techniker vor eine kleine Herausforderung.
Es wurde ein dreiphasiger Stirnrad-Doppelgetriebe-Asynchronservomotor ausgewählt, der mit einer hohen Gesamtübersetzung aus insgesamt sechs Getriebestufen das Haus in Bewegung bringt. In Verbindung mit dem passenden Frequenzumrichter Movidrive ergibt sich ein für die Anwendung optimales Antriebssystem. Über den gesamten Drehzahlbereich wird somit eine größtmögliche Laufruhe erreicht. Er ist in einem Schaltschrank in der Nähe des Getriebemotors im Keller des Gebäudes verbaut.
Eine regionale Elektrofirma war für den Einbau und die Inbetriebnahme der Antriebstechnik zuständig. Später stellte sich heraus, dass aufgrund von Motorgeräuschen einige Umrichterparameter geändert werden müssen. O. Schiwek wandte sich an den Service von SEW-Eurodrive im technischen Büro Rhein-Main. Vertriebsingenieur Carlo Grauel reagierte prompt und beauftragte einen Serviceingenieur in Bruchsal. Per Fernwartung optimierte dieser die Reglereinstellungen zur vollen Zufriedenheit der Kunden.
Kontrollierte Wohnraumlüftung
O. Schiwek hat sich sehr viele Gedanken um das Thema Nachhaltigkeit gemacht und überließ nichts dem Zufall. Dabei achtete der Hobby-Konstrukteur auf kleinste Details und machte sich Synergieeffekte zu Nutze. So auch bei der Klimatisierung. Auf dem Grundstück fällt ein kleiner Turm aus Metall auf. Das ist die kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL), also ein Wärmetauscher. Das Haus muss nicht gelüftet werden, was sich positiv auf die Energiebilanz auswirkt, weil man durch das Lüften bis zu 80 % der Heizenergie verliert.
Frischluft wird von außen über die KWL angesaugt, Abluft über einen Kreuzwärmetauscher nach außen abgegeben. Zum Erwärmen der Frischluft nutzen die Hauseigentümer zusätzlich die Bodenerdwärme über die Zuluft durch den Boden vom Ansaugturm im Garten.
Kühlung durch Wasserverdampfung
Das Dach des Hauses ist mit Blühpflanzen begrünt. Die Begrünung sorgt für Kühlung durch Wasserverdampfung und somit für ein angenehmes Wohnklima. Die Dachbepflanzung wird über eine Pumpe mit Regenwasser bewässert, das in einer Zisterne gesammelt wird. Sie fasst 7 m3. Die Schläuche, die von der Dachrinne das Regenwasser ableiten, drehen sich mit dem Haus. Apropos Dach – hier ist ein kleines Windrad angebracht, das der Stromerzeugung – vor allem im Winter – dient. Eine weitere Energiequelle ist eine Photovoltaikanlage, die auf einer langgezogenen Wellblechgarage montiert wurde.
Mit der Idee in Serie gehen? Unbedingt!
Das Interesse am drehbaren Haus war und ist in Winterborn groß, insbesondere für die autarke Energieversorgung begeistern sich Interessenten. Auch auswärtige Besucher wurden schon empfangen. Zwei Bauherren haben bereits Interesse an seinem Konzept geäußert. Und inzwischen war sogar das SWR-Fernsehen für einen dreitägigen Dreh bei dem Paar zu Besuch. Mittelfristig stellt er sich vor, sein Wissen als Beratungsleistung weiterzugeben. Je größer das Netzwerk wird, umso mehr kann sich die Idee des nachhaltigen Bauens verbreiten.


