Gebäudeautomatisierung: Autonomer  Betrieb eines Flughafenterminals

Gebäudeautomatisierung: Autonomer Betrieb eines Flughafenterminals (Quelle: Philippe van Gelooven)

Raf Weerts, Facility Manager der ASL Group [1], erklärt: „Wir haben hier nur einen festen Mitarbeiter. Das übrige Personal besteht aus freien Mitarbeitern, die nur dann arbeiten, wenn ein Flugzeug ankommt oder abfliegt. Um sicherzustellen, dass sie nicht viel Zeit für das Hochfahren der ganzen Technik verbringen müssen, startet das Gebäude beim Eintritt eines Mitarbeiters alles von selbst. Sobald im Gebäude keine Bewegung erkannt wird, wechseln alle Systeme – Lüftung, Beleuchtung, Heizung usw.– automatisch wieder in den Ruhemodus. Das ermöglicht eine sehr energieeffiziente Arbeitsweise. Denn gerade in unserer energieintensiven Branche versuchen wir, Nachhaltigkeit wo immer möglich zu priorisieren.“

Nahtlose Integration für autonomen Betrieb

Das moderne Gebäude ist das Ergebnis einer Ausschreibung des Flughafens Lüttich selbst. Dieser suchte einen Partner, um ein neues General Aviation Terminal zu bauen und zu betreiben. „Und wir suchten eine Betriebsbasis in dieser Region, also eine perfekte Übereinstimmung“, erinnert sich R. Weerts. Mit 900 m2 Bürofläche und einem 2250 m2 großen Flugzeughangar bietet das Gebäude außerdem eine hochmoderne Architektur. Innen kann eine große Lounge Gruppen mit bis zu 35 Personen aufnehmen, wohingegen eine kleine intime Lounge drei bis vier Personen Platz bietet. „Es hat definitiv eine gewisse Ausstrahlung“, lacht R. Weerts, „aber die wahre Kraft liegt im Inneren. Der autonome Betrieb, den wir durch die nahtlose Integration aller Technologien erreicht haben, ist erstaunlich.“

Die ASL Group war bei diesem Projekt nicht allein. Durch die frühere berufliche Zusammenarbeit kannte R. Weerts bereits Inhaber Chris Briers und Vorstand Thomas Nagels vom Beckhoff Solution Provider Boolean [2] und wusste um deren große Erfahrung für die Umsetzung solch eines anspruchsvollen Projekts. „Wir waren von Anfang an auf der gleichen Wellenlänge. Das Rückgrat dieses ganzen Systems musste Beckhoff-Technologie sein. Letztendlich ist eine offene Steuerungstechnik unabdingbar, um alle verschiedenen Signale und Protokolle zusammenzuführen.“ Hierzu dienen u. a. die Busklemmen KL4408 und KL6821 (Dali 2) und die Ethercat-Klemmen EL2809 sowie die Twincat Functions Modbus TCP, Modbus RTU und SMS/SMTP.

Die Twincat-3-Steuerung koordiniert die gesamte HLK-Technologie, von der Beleuchtung, Elektrizität und Ladestationen bis hin zum Audiosystem. „Nur die Zugangskontrolle bleibt in den Händen des Flughafens. Mit jeder anderen Automatisierungsplattform hätte dies deutlich mehr Interfaces und Integrationsaufwand erfordert. Mit PC-based Control von Beckhoff steht hingegen die notwendige Offenheit und Konnektivität bereits systemintegriert zur Verfügung“, erläutert C. Briers.

Die größte Herausforderung für das Team von Boolean bestand darin, die von der ASL Group geforderte hohe Benutzerfreundlichkeit umzusetzen. „Raf Weerts hatte eine sehr klare Vorstellung davon, wie eine technische Installation aussehen sollte; eine Vision, wie das Gebäude funktionieren sollte. Dies in ein Flussdiagramm umzusetzen, gab uns eine Richtlinie, mit der wir arbeiten und die Software passend programmieren konnten“, so T. Nagels. Entscheidend war nach seiner Aussage zudem, dass ausreichend Flexibilität vorgesehen wurde: „Wir wollten auch das Feedback der Endbenutzer einbinden sowie zukünftig neue Technologien integrieren oder neue Dinge ausprobieren können – sozusagen ein lebendiges Labor.“ Für R. Weerts ist weiterhin das leistungsfähige, mit Twincat 3 HMI visualisierte Monitoring wichtig: „Wenn etwas nicht ganz nach Plan läuft, kann ich mich leicht einloggen, das Problem identifizieren und selbst von meiner Tastatur aus lösen oder den Personen vor Ort erklären, was zu tun ist.“

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