Maßgeschneiderte Technik für hohe Ansprüche
Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Großprojekts gab es zwar, sie wurden jedoch mit Bravour gemeistert: Das Bauteam schaffte es, auf den großdimensionierten Flächen 12000 m KNX-Leitungen zu verlegen, die sich auf 28 KNX-Linien verteilen. Die individuellen Konzepte und Vorstellungen der einzelnen Mieter konnten jeweils berücksichtigt sowie entsprechend technisch installiert und umgesetzt werden. Die Visualisierungen der Panels wurde eigens für jeden Nutzer optimiert. Jeder Mietbereich ist nämlich technisch anders aufgestellt und wird vorwiegend über Szenen und Logiken gesteuert, die je nach Nutzung über die Öffnungszeiten abgerufen werden. So befindet sich beispielsweise in einem Bereich die Racing Lounge von Racing Unleashed, wo mit 15 Rennsimulatoren inkl. beweglicher Chassis internationale Rennen gefahren werden. Bei der Startsequenz blinkt die Allgemeinbeleuchtung synchronisiert, wie bei der echten Formel-1-Ampel.
In den Restaurantbereichen richten sich die Logiken bei der Beleuchtung u. a. nach den Öffnungszeiten, dem Tageslichteinfall, dem Buffet-, Mittags- oder Abendbetrieb. Auf allen Flächen wird generell Dali-Beleuchtung eingesetzt, nur im Restaurantbereich musste die eigens von den Mietern mitgebrachte Beleuchtung berücksichtigt werden. So hängt im Motorworld Inn z. B. ein beleuchtetes Auto an der Decke.
Userfreundliche Steuerung über Panel, App oder Tablet
Fast alle Nutzerinnen und Nutzer können über Fernzugriffsmodule auf die Oberfläche zugreifen und so die Steuerung der ihrer jeweiligen Bereiche per Smartphone oder Tablet übernehmen.
Über einen Präsenzmelder werden morgens die Grundbeleuchtung gestartet, die Morgenszenen aktiviert und die Szenen geschaltet. Im Dampfdom funktioniert das über einen Taster am Eingang, der die dortige Grundbeleuchtung inklusive Eingangsszene startet. Sobald die Eingangsszene gestartet wurde, wird der Taster deaktiviert, damit während einer Veranstaltung keine außerplanmäßige Bedienung stattfinden kann. Über 95 % der Bedienung läuft manuell über die Panels bzw. Zeitschaltuhren, die über das Panel getriggert werden.
Konferenztechnik und Lichtspektakel im Dampfdom
Für die Medientechnik im Konferenzbereich gibt es Schnittstellen von KNX zu Crestron. Mit Crestron-Anlagen können die Userinnen und User die Technik im Konferenzraum über ein Tabletop-Touchpanel bedienen und Beamer, Fernseher oder Leinwände inklusive Szenen starten. Über die KNX-Crestron-Schnittstelle funktioniert auch die Beleuchtung. Beispielsweise wird im Beamer- oder Fernseherbetrieb die erste Lichtreihe komplett gedimmt, um Blendungen zu vermeiden.
Neben den Crestron-Schnittstellen befinden sich in der KNX-Topologie auch noch DMX-Schnittstellen, die für den Bühnenbereich im Dampfdom benötigt werden, wenn beispielsweise bei einer Veranstaltung ein eigener Lichtjockey gemietet wird, der sich mit seinem DMX-Mischpult über einen Stecker mit dem DMX-Gateway verbindet und so die Allgemeinbeleuchtung oder die Vorhänge steuern kann, die eigentlich über KNX laufen. Das funktioniert dann alles, ohne dass das im Backstagebereich hängende Panel separat bedient werden muss.
Im Normalbetrieb der Eventlocation ohne separaten Lichtjockey werden die Vorhänge über den Rollo-Button in der Visualisierung gesteuert. Außerdem können neben der Allgemeinbeleuchtung weitere Szenen wie die RGB-Effektbeleuchtung unter den Balkonen über KNX eingestellt werden.
Eine Erfolgsgeschichte in historisch-modernem Gewand
Die Motorworld München ist nicht nur ein Ort der Begegnung für Automobilenthusiasten, sondern auch ein Beispiel dafür, wie historische Gebäude eine Symbiose mit moderner Technologie eingehen können. Mit der komplexen KNX-Infrastruktur, der integrierten DMX-Steuerung und einer clever durchdachten Einbindung der verschiedenen Systeme wurde einerseits ein Meisterstück der Gebäudeautomation umgesetzt und gleichzeitig eine einzigartige Erlebniswelt für Besucherinnen und Besucher geschaffen.
Insgesamt ist die Motorworld zwar ein abgeschlossenes Projekt, aber für den Integrator ist es eine fortlaufende Story, denn auch im Nachgang ist der Kundendienst immer wieder gefordert: Wenn Erweiterungen z. B. bei der Beleuchtung oder Nachrüstungen von Funktionen anstehen, neues Personal in den Mietbereichen eingewiesen werden muss oder es Anpassungen bei Beleuchtung oder anderen Funktionen geben soll.


