Symbolbild Smart Home

(Quelle: Pixabay / geralt)

Die seit Ende Juli kursierenden Spekulationen sind bestätigt: Schneider Electric will die bulgarische Shelly Group übernehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Sofia hat am 24. September eine entsprechende Investitionsvereinbarung mit der Schneider-Electric-Tochter SE 2026 A SAS geschlossen. Geplant ist ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche ausstehenden Aktien der Shelly Group. Schneider Electric will 70 € je Aktie in bar bieten.

Damit wird Shelly mit rund 1,2 Mrd. € bewertet. Der Angebotspreis liegt nach Unternehmensangaben 27 % über dem unbeeinflussten Referenzkurs vom 28. Juli 2026 und 22 % über dem entsprechenden Referenzkurs vom 23. September. Bereits Ende Juli hatte Shelly nach Medienberichten bestätigt, sich in vorläufigen Gesprächen mit Schneider Electric über ein mögliches Übernahmeangebot zu befinden.

Gründer unterstützen die Transaktion

Die beiden Gründer der Shelly Group, die zusammen rund 57 % des Aktienkapitals halten, unterstützen die geplante Transaktion. Mitgründer und Co-CEO Dimitar Dimitrov, der etwa 29 % der Aktien hält, will seine Anteile im Rahmen des erwarteten Angebots einbringen und einen Teil des Erlöses gemeinsam mit Schneider Electric wieder in Shelly investieren. Er soll das Unternehmen weiterhin zusammen mit Co-CEO Wolfgang Kirsch führen.

Mitgründer Svetlin Todorov hält direkt und über seine Gesellschaft Salisto Holdings rund 28 % der Anteile. Er hat vereinbart, die von ihm kontrollierten Aktien in zwei Tranchen zu verkaufen. Voraussetzung für den Vollzug der Übernahme sind unter anderem die regulatorischen Freigaben und eine Mindestannahmeschwelle, durch die Schneider Electric mindestens 95 % des Aktienkapitals kontrollieren würde. Im Erfolgsfall strebt Schneider Electric anschließend die vollständige Übernahme und möglicherweise auch ein Delisting der Shelly Group an. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2027 erwartet.

Smart Home trifft Energiemanagement

Aus Sicht der Gebäudeautomation ist die geplante Übernahme strategisch interessant. Shelly hat sich in den vergangenen Jahren vom Anbieter kompakter WLAN-Schaltaktoren zu einer umfangreichen IoT- und Smart-Building-Plattform entwickelt. Das Portfolio richtet sich längst nicht mehr ausschließlich an Smart-Home-Enthusiasten, sondern zunehmend auch an Elektrofachbetriebe und professionelle Anwender. Neben vernetzter Hardware setzt das Unternehmen auf offene Schnittstellen, Cloud-Dienste und Lösungen für das Energiemanagement. Die Produkte sind inzwischen in mehr als 100 Ländern erhältlich.

Damit trifft Shelly auf ein Geschäftsfeld, das Schneider Electric selbst deutlich ausbaut. Mit Wiser Home adressiert der Konzern die intelligente Steuerung von Beleuchtung, Heizung, Beschattung und Energieverbrauch im Wohngebäude. Hinzu kommen unter anderem SpaceLogic KNX sowie Lösungen für Home Energy Management und die netzdienliche Steuerung elektrischer Verbraucher. Auf der Light + Building 2026 hatte Schneider Electric das Zusammenspiel von Smart Home, Gebäudeautomation und Energiemanagement bereits zu einem Schwerpunkt seines Auftritts gemacht.

Shelly könnte dieses Angebot vor allem um eine stark gewachsene, vergleichsweise offene und herstellerübergreifend integrierbare IoT-Plattform ergänzen. Erst Anfang September hatte das Unternehmen beispielsweise mit ThreadLink eine neue Firmware für seine Gen4-Geräte vorgestellt, die Thread, Matter, Cloud-Konnektivität und direkte Gerätekommunikation miteinander verbindet.

Starkes Wachstum bei Shelly

Auch wirtschaftlich hat Shelly zuletzt kräftig zugelegt. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 40,3 % auf 149,7 Mio. €. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 195 Mio. € und 205 Mio. €. Im ersten Halbjahr 2026 legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,5 % auf 68,3 Mio. Euro zu; das EBIT erhöhte sich um 45,6 % auf 17,7 Mio. €. Gleichzeitig wuchs das internationale Installateursnetzwerk auf rund 8.600 Mitglieder.

Nach den Vereinbarungen mit Schneider Electric sollen der Hauptsitz in Bulgarien, die bestehende Organisation und die Belegschaft von Shelly für mindestens drei Jahre nach Abschluss der Transaktion erhalten bleiben. Dies gilt ausdrücklich auch für Forschung und Entwicklung, Engineering, Vertrieb und Management. Schneider Electric soll Shelly im Gegenzug vor allem zusätzliche Ressourcen und den Zugang zu einer globalen Vertriebs- und Technologieplattform eröffnen.

Noch ist die Übernahme allerdings nicht abgeschlossen. Das eigentliche Übernahmeangebot war zum Zeitpunkt der Bekanntgabe noch nicht registriert oder veröffentlicht. Die Genehmigung durch die bulgarische Finanzaufsicht wird für Ende November beziehungsweise Anfang Dezember 2026 erwartet.

(hz)

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