Anforderungen und Erwartungen an BIM in der Gebäudeautomation. (Quelle: adobestock_285459183_black_mts)
In der Theorie ist der Grundgedanke von BIM ganz einfach: Alle, die am Prozess der Planung und des Baus eines Gebäudes beteiligt sind, nutzen ein und dieselbe Datengrundlage, die mit der konkreter werdenden Planung „mitwächst“ bzw. dem realen Baufortschritt immer voraus ist. Damit entsteht der „digitale Zwilling“ des Gebäudes, der letztlich alle relevanten grafischen und alphanumerischen Daten sowohl für den Bau als auch für den späteren Betrieb enthält. Dieser Zwilling wird in der Cloud gepflegt, sodass sämtliche Beteiligten an einem gemeinsamen und jeweils aktuellen 3D-Datenmodell arbeiten. Dieses Modell enthält auch logische Verknüpfungen zu einzelnen Dokumenten, Medien oder sonstigen Informationen außerhalb der Cloud.
Soweit die Theorie von BIM. Wie steht es um die Umsetzung in der Gebäudeautomation? Diese Frage führte Experten aus elf Unternehmen am „Runden Tisch der Gebäudeeautomation“ zusammen. Um es vorwegzunehmen: Sie einigten sich am Ende der Veranstaltung auf eine ebenso ausgewogene wie klare Antwort.
„Wirkliche BIM-Projekte gibt es noch gar nicht.“
Den Vorteil, der in der Anwendung von BIM steckt, brachte Rolf Schulte, Global Vertical Market Manager Building Technologies von Eplan, zu Beginn der Veranstaltung auf den Punkt: „BIM verbessert den Datenaustausch und die Kommunikation der Beteiligten. Das führt bei jedem einzelnen Gewerk zu optimierten Planungs- und Bauprozessen mit beschleunigten Abläufen, weniger Fehlern, geringerer Nacharbeit und besserer Koordination der Gewerke.“
Aus diesen Gründen wird die Anwendung der BIM-Methode immer häufiger vorgeschrieben. Wie dies im Einzelnen zu geschehen hat, ist aber meistens nicht definiert, und viele Architektur- und Ingenieurbüros haben eigene Darstellungsvorschriften erstellt. Das hat in der Praxis zur Folge, dass die Modelle nicht kompatibel sind. Das gilt für das 3D-Modell, dessen Ausprägung und Informationsgehalt diskutiert wird, noch mehr aber für die Einbindung von externen Daten und Quellen. Das Zwischen-Fazit der Experten: „Echte BIM-Projekte gibt es noch gar nicht.“
Wunsch: Ein einheitliches Datenmodell über alle Leistungsphasen
Aus dieser Situationsbeschreibung ergibt sich ein naheliegender Wunsch: Hilfreich und sehr sinnvoll wäre eine kontinuierliche Kommunikation bzw. ein einheitliches Datenmodell über alle Leistungsphasen. Im Modell müssen gar nicht alle Daten enthalten sein, wichtiger ist die Durchgängigkeit. Hierfür gibt es aber (noch) keinen umfassenden Standard. Das erschwert das leistungsphasenübergreifende Arbeiten nach der BIM-Methodik. Weitere Gründe sind hier ebenfalls hinderlich – zum Beispiel die Tatsache, dass in den eigenen Standards der Planer auch viel eigenes Know-how steckt und die Frage, wem die BIM-Daten letztlich gehören.
BIM in der Gebäudeautomation: Hohes Potenzial, noch kaum genutzt
Während BIM in der Gebäudetechnik/TGA – wie hier beschrieben – vielfach, aber leider zu selten gewerkeübergreifend und vollumfänglich genutzt wird, steht BIM in der Gebäudeautomation noch ganz am Anfang. Kaum ein Gebäudeautomations-Planer, so die einhellige Einschätzung der Experten am Runden Tisch, arbeitet heute mit BIM. Der Anteil wird eher im Promille- als im Prozentbereich liegen.
Dabei bietet dieses Konzept vor allem hier erhebliche Vorteile. Am Runden Tisch wurden die Vorgehensweise und der Nutzen einer BIM-gestützten Gebäudeautomation skizziert:
- Einheitliche Kennzeichnung von Liegenschaftsinformationen (Geräte, Komponenten, Anlagen),
- Benutzer-Adressschlüssel wird frühzeitig festgelegt und in allen Gewerken mitgeführt,
- Änderungen werden automatisch an alle Beteiligten weitergegeben,
- das Modell ist immer auf dem aktuellen Stand – über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes,
- zu jeder Komponente stehen umfassende Daten bereit: Typ, Version, Einbaudatum, Lokalisierung, Seriennummer,
- Energiemanagement und ESG (CO2-Bilanzierung) greifen auf BIM zurück und
- BIM unterstützt die Erfüllung rechtlicher Anforderungen (z. B. Lokalisierung von Zählern).
So werden die Prozesse in der Planung und Ausführung und auch beim Betrieb effizienter, und das BIM-Datenmodell wird umfassend genutzt. Damit diese Vorteile optimal ausgeschöpft werden können, sind allerdings noch einige Voraussetzungen zu erfüllen. R. Schulte: „Dazu gehören: weniger Schnittstellen, medienbruchfreies Arbeiten, saubere Modelle und Raumklassen mit klassifizierten Beschreibungen sowie eine eindeutige Nutzer-Adress-Struktur und eine eindeutige Anlagen- und Eigenschaftenstruktur.“
Außerdem muss geklärt sein, ob die Open- oder Closed-BIM-Methode angewendet werden soll. Die Meinung dazu am Runden Tisch war eindeutig: BIM muss offen sein. Und: Das BIM-Modell muss nicht alle Daten enthalten. Stattdessen enthält es Referenzierungen zu anderen Datenquellen. Bezogen auf die Gebäudeautomation bedeutet das: Das BIM-Modell enthält die grafische Verortung aller Komponenten sowie minimale Informationen und die Referenzierung, zum Beispiel zu Eplan und anderen Software-Plattformen.