Bild 1. Historisch gewachsene Anlagen, herstellerspezifische Bezeichnungen und inkonsistente Objektstrukturen erschweren die Interpretation der Daten.

Bild 1. Historisch gewachsene Anlagen, herstellerspezifische Bezeichnungen und inkonsistente Objektstrukturen erschweren die Interpretation der Daten. (Quelle: Entendix)

Die Management- und Bedieneinrichtung (MBE) ist ein zentrales Element der Gebäudeautomation. Sie dient der Visualisierung, Bedienung und Überwachung technischer Anlagen und bildet die Schnittstelle zwischen Betriebspersonal und Gebäudetechnik. Während MBE-Lösungen im Neubau heute weitgehend etabliert sind, stellt ihre Umsetzung im Bestand nach wie vor eine große Herausforderung dar. Der hohe manuelle Aufwand bei der Modellierung von Anlagenstrukturen und der Erstellung von Anlagenschaubildern führt zu hohen Kosten und begrenzt den wirtschaftlichen Einsatz.

Hoher manueller Aufwand bei der MBE-Erstellung im Bestand

In Bestandsgebäuden liegen zwar häufig umfangreiche Betriebsdaten vor, etwa über Bacnet, diese sind jedoch selten einheitlich strukturiert oder konsistent dokumentiert. Historisch gewachsene Anlagen, herstellerspezifische Bezeichnungen und inkonsistente Objektstrukturen erschweren die Interpretation der Daten, beispielhaft dargestellt in Bild 1.

Die Erstellung einer klassischen MBE erfordert daher eine detaillierte manuelle Analyse der vorhandenen Datenpunkte, deren Zuordnung zu Anlagen und Funktionen sowie das händische Zeichnen der Anlagenschaubilder. Dieser Engineering-Aufwand stellt den größten Kostentreiber dar und führt dazu, dass MBE-Lösungen im Bestand häufig nur eingeschränkt oder gar nicht umgesetzt werden.

Bactwin als semantische Grundlage für den Betrieb

Die Grundlage für eine automatisierte MBE im Bestand ist ein einheitliches semantisches Modell der technischen Anlagen. Der Bactwin-Standard bietet hierfür eine herstellerneutrale Struktur zur Beschreibung von Anlagen, Funktionen, Baugruppen und Datenpunkten. Ziel ist es, technische Systeme nicht nur punktweise zu erfassen, sondern ihre funktionalen Zusammenhänge und betrieblichen Rollen eindeutig abzubilden.

Im Bactwin-Modell werden Anlagen zunächst einem Gewerk zugeordnet. Innerhalb der Anlage sind funktionale Baugruppen strukturiert beschrieben, etwa Ventilatorbaugruppen, Wärmerückgewinnung, Heiz- oder Kühlregister sowie Filterstufen. Diese Baugruppen sind wiederum mit den zugehörigen Aggregaten und Medien verknüpft, beispielsweise Zu- und Abluftströmen oder Heiz- und Kühlwasserkreisen. Auf der untersten Ebene werden die einzelnen Datenpunkte modelliert und nach ihrer Funktion klassifiziert, etwa als Messwert, Schaltbefehl, Stellgröße oder Meldung.

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