KI-gestützte Konvertierung realer Betriebsdaten

Bild 2. Aktuelle Messwerte, Betriebs- und Schaltzustände sowie Stellgrößen werden in Echtzeit visualisiert. (Quelle: Entendix)
Für Bestandsgebäude liegt diese Struktur in der Regel nicht explizit vor. Stattdessen existieren heterogene Datenpunkte mit uneinheitlichen Bezeichnungen, unterschiedlichen Objektstrukturen und variierender Informationsqualität. Durch KI-gestützte Analyseverfahren können diese bestehenden Betriebsdaten automatisiert ausgewertet und in die Bactwin-Struktur überführt werden. Dabei werden unter anderem Objektinformationen, Namenskonventionen, Einheiten sowie Ereignis- und Alarmdaten berücksichtigt. Das Ergebnis ist ein konsistentes, maschinenlesbares Anlagenmodell, das die reale technische Struktur des Bestands systematisch abbildet.
Der wesentliche Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass das Bactwin-Modell nicht manuell geplant, sondern direkt aus den vorhandenen Betriebsdaten abgeleitet wird. Es entsteht damit eine belastbare semantische Grundlage, die unabhängig von der ursprünglichen Projektierung oder Dokumentationsqualität nutzbar ist. Auf dieser Basis lassen sich weiterführende Funktionen, wie Visualisierung, Bedienung, Alarmmanagement und Betriebsoptimierung, weitgehend automatisiert realisieren.
Automatische Generierung von Anlagenschaubildern
Ein zentraler Mehrwert des modellbasierten Ansatzes liegt in der automatischen Generierung von Anlagenschaubildern. Während diese in klassischen MBE-Projekten manuell entworfen, gezeichnet und bei Änderungen aufwendig nachgeführt werden müssen, entstehen sie hier direkt aus dem zugrunde liegenden semantischen Modell. Voraussetzung hierfür ist die KI-gestützte Homogenisierung der heterogenen Betriebsdaten und deren Überführung in eine einheitliche Bactwin-Struktur.
Durch die automatisierte Konvertierung liegt für jede Anlage ein konsistentes Modell vor, das unabhängig von Hersteller, Projektstruktur oder historisch gewachsenen Bezeichnungen aufgebaut ist. Auf Basis dieser strukturierten Informationen werden die Anlagenschaubilder automatisch zusammengesetzt. Hierzu kommen vordefinierte, gewerke- und anlagenspezifische Templates zum Einsatz, die sich dynamisch an die tatsächlich verfügbaren Daten anpassen. Für jede Anlage entsteht so ein individuelles Schaubild, das exakt die im Betrieb vorhandenen Komponenten und Funktionen abbildet. Die Schaubilder sind damit keine schematischen Idealbilder, sondern spiegeln die reale Anlagenkonfiguration wider.
Die generierten Anlagenschaubilder sind direkt mit den Live-Daten der Gebäudeautomation verknüpft. Aktuelle Messwerte, Betriebs- und Schaltzustände sowie Stellgrößen werden in Echtzeit visualisiert (Bild 2). Änderungen an der Datenstruktur oder an der Anlage können automatisch nachgeführt und in den Schaubildern berücksichtigt werden. Dadurch bleibt die Darstellung dauerhaft konsistent und aktuell, ohne dass ein manuelles Nachzeichnen erforderlich ist.
Neben der reinen Visualisierung bilden die Schaubilder auch die Grundlage für weiterführende Betriebsfunktionen. Meldungen aus der Gebäudeautomation, wie Stör- oder Wartungsmeldungen, werden übernommen und auf eine einheitliche Kritikalitätsskala abgebildet. Diese erlaubt eine priorisierte Bewertung von Ereignissen und dient als Basis für ein konfigurierbares Alarm- und Störmanagement. Dadurch kann ein strukturiertes Alarmmanagement mit deutlich reduziertem Projektierungsaufwand umgesetzt werden.
Darüber hinaus können bestehende Zeitprogramme der Anlagen – soweit aus der Gebäudeautomation verfügbar – übernommen und in der MBE dargestellt werden. Diese lassen sich über die Benutzeroberfläche anpassen oder ergänzen. Auf Grundlage von Betriebsanalysen werden zudem Vorschläge für angepasste Zeitpläne abgeleitet, etwa zur Reduktion unnötiger Laufzeiten und zur Verbesserung der Energieeffizienz. Die MBE entwickelt sich damit von einer reinen Bedienoberfläche zu einem aktiven Werkzeug zur Betriebsoptimierung.
Ergänzend zur Bedienung und Alarmierung bildet das technische Monitoring eine weitere zentrale Funktion der MBE. Auf Basis der strukturierten Bactwin-Modelle werden kontinuierlich Betriebskennzahlen abgeleitet, die den Zustand und die Effizienz der Anlagen beschreiben. Diese Kennzahlen ermöglichen eine zustands- und leistungsbasierte Bewertung des Anlagenbetriebs über längere Zeiträume hinweg. Abweichungen von einem erwarteten oder effizienten Betriebsverhalten können frühzeitig erkannt werden. Das technische Monitoring ergänzt damit die MBE um eine kontinuierliche Bewertung des Anlagenzustands.
Insgesamt reduziert der modellbasierte Ansatz den Aufwand für Erstellung sowie Pflege der MBE erheblich und ermöglicht eine wirtschaftliche Skalierung auf eine große Anzahl von Anlagen und Bestandsgebäuden, ohne auf individuelle Detailtiefe verzichten zu müssen.
Mehrwert für Betreiber und Facility Management
Für Betreiber und Facility-Management-Organisationen ergibt sich ein deutlicher Mehrwert. Der Aufwand und die Kosten für die Erstellung einer MBE sinkt signifikant, wodurch auch Bestandsgebäude wirtschaftlich angebunden werden können. Gleichzeitig verbessert sich die Transparenz über den Anlagenzustand, und das Betriebspersonal erhält eine einheitliche, verständliche Bedienoberfläche. Die strukturierte Datengrundlage erleichtert zudem die Identifikation von Optimierungspotenzialen und unterstützt eine vorausschauende Instandhaltung.
Ausblick: MBE als Betriebssystem für Gebäudeportfolios
Langfristig entwickelt sich die MBE von einer isolierten Bedienoberfläche zu einem zentralen Betriebssystem für Gebäudeportfolios. In Kombination mit kontinuierlichem technischem Monitoring lassen sich Anlagen nicht nur steuern, sondern auch systematisch bewerten und vergleichen. Eigene Kennzahlensysteme ermöglichen eine objektive Beurteilung des Betriebs über unterschiedliche Gebäude hinweg. Damit entsteht eine skalierbare Grundlage für datenbasierte Optimierung und einen effizienteren Betrieb von Bestandsgebäuden.
Auf der Light + Building zeigt Entendix, wie sich die beschriebenen Ansätze in einer Management- und Bedieneinrichtung praktisch umsetzen lassen. Interessierte können sich vor Ort ein Bild von der MBE der nächsten Generation machen.