Vom Feldtest zum Produkt: Wie Erkenntnisse Innovation treiben

Das im Feldtest eingesetzte System basierte auf dem E3/DC-Hauskraftwerk S10 E Compact mit V2H-ready-Schnittstelle, einer DC-Bidirektional-Wallbox und der Edison Connect Box als DC/DC-Wandler zwischen Fahrzeug und Heimspeicher.

Das im Feldtest eingesetzte System basierte auf dem E3/DC-Hauskraftwerk S10 E Compact mit V2H-ready-Schnittstelle, einer DC-Bidirektional-Wallbox und der Edison Connect Box als DC/DC-Wandler zwischen Fahrzeug und Heimspeicher. (Quelle: Hager)

Mehr Autarkie und Effizienz für Haushalte

Mehr Autarkie und Effizienz für Haushalte (Quelle: Hager)

Die Ergebnisse flossen direkt in die Produkt- und Serviceentwicklung von Hager ein. 2024 brachte die Marke E3/DC die erste zertifizierte Kombilösung für bidirektionales Laden auf den Markt für Serienfahrzeuge in Kooperation mit Volkswagen. Diese basiert im Wesentlichen auf der Feldtestarchitektur mit PV, Heimspeicher, DC-Wallbox und intelligenter Steuerung.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Weiterentwicklung der Softwarealgorithmen: Sie optimieren heute das Zusammenspiel von Energieverbrauch, Eigenstromnutzung und Mobilitätsbedarf in Echtzeit. Damit entstehen Systeme, die nicht nur Energie verteilen, sondern vorausschauend entscheiden, wo Strom am sinnvollsten eingesetzt wird.

„Wir haben gelernt, dass bidirektionales Laden nur dann funktioniert, wenn es für Nutzerinnen und Nutzer einfach bleibt“, betont Tobias Terhaar, Director Software Development bei E3/DC. „Darum entwickeln wir zusätzlich digitale Services. Von cloudbasiertem Monitoring über Energiereporting bis hin zu Ladeempfehlungen in der App.“

Aktuell arbeitet Hager an der nächsten Generation der bidirektionalen Ladesäule. Diese wird mit erweiterten Kommunikationsschnittstellen, Remote-Updates und automatisierten Energiemodi ausgestattet sein für V2H – und soll perspektivisch auch Vehicle-to-Grid (V2G) ermöglichen. Die Markteinführung erfolgt voraussichtlich im vierten Quartal 2026 in Deutschland, weitere Märkte folgen danach.

Parallel entstehen Service- und Wartungskonzepte, die den Kundennutzen über die gesamte Lebensdauer begleiten: von Predictive Maintenance über Software-Updates bis zu Datenanalysen für Energieeffizienz und Batteriegesundheit. Damit entwickelt sich das System schrittweise zu einem skalierbaren Gesamtkonzept für Energieautarkie und Netzdienlichkeit.

Schlüsseltechnologie der Energiewende

Der Feldtest hat gezeigt: Bidirektionales Laden funktioniert und bringt messbare Vorteile. Es steigert die Eigenversorgung, senkt Netzbezug und macht das Stromsystem flexibler. „Elektrofahrzeuge können künftig aktiv als mobile Speicher im Energiesystem genutzt werden“, sagt Ulrich Reiner. „Unsere Ergebnisse belegen, dass die Integration von Fahrzeugbatterien einen echten Beitrag zur Energiewende leistet.“

Mit den gewonnenen Erkenntnissen treibt Hager nun die Serienentwicklung, Services und Marktintegration weiter voran. So entsteht aus einem Forschungsprojekt ein marktreifes, ganzheitliches System für intelligentes Energiemanagement.

Forschungsprojekt RESIGENT: Integration flexibler Verbraucher im Smart Grid

Der Mehrwert für das elektrische Energiesystem geht allerdings noch weit über das Eigenheim hinaus: Im vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt RESIGENT untersuchte Hager von 2021 bis 2024, wie steuerbare Verbraucher aktiv in das Netzmanagement der Verteilnetzbetreiber eingebunden werden können. Grundlage dafür war ein intelligentes Energiemanagement im Haushalt.

Die Motivation: Verteilnetze werden künftig durch Photovoltaik, Elektromobilität und Wärmepumpen deutlich stärker belastet. Das im Projekt RESIGENT entwickelte System erkennt potenzielle Netzengpässe frühzeitig und vermeidet sie aktiv. Die Funktionsweise wurde in einem realen Feldtest im Netzgebiet des Konsortialpartners Stadtwerk Haßfurt erprobt – in zehn Testhaushalten.

Durch dynamische Netzentgelte und intelligentes Energiemanagement wurde beispielsweise die heimische Ladestation so gesteuert, dass das Verteilnetz entlastet wurde. Die typische „Rush-Hour“ um 19 Uhr, in der normalerweise Lastspitzen durch Wärmepumpen, Elektroautos und andere Verbraucher auftreten, konnte so vermieden werden. Für die sichere Kommunikation kamen Smart-Meter-Gateway-Systeme zum Einsatz, die den regulatorisch vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen entsprechen.

Großes Potenzial durch V2X für die Energiesystemresilienz

Der V2H-Feldtest von Hager hat gezeigt, wie Elektrofahrzeuge als mobile Speicher die Eigenversorgung von Haushalten steigern und Lastspitzen im Alltag abfedern können. Das Projekt RESIGENT erweitert diesen Ansatz auf die Netzebene: Hier wurde untersucht, wie intelligente Energiemanagementsysteme steuerbare Verbraucher und Erzeuger – perspektivisch auch bidirektionaler Ladepunkte – aktiv in das Verteilnetz integrieren.

Die Kombination beider Konzepte eröffnet enormes Potenzial für das zukünftige Energiesystem: Fahrzeuge werden nicht nur Teil der häuslichen Autarkie, sondern auch zu flexiblen Netzressourcen, die Engpässe vermeiden und die Stabilität erhöhen. Damit entsteht ein skalierbares Modell, das Photovoltaik, Elektromobilität und Wärmepumpen innovativ verbindet und den Weg zu einem resilienten, klimafreundlichen Energiesystem ebnet.

www.hager.com/global

Ulrich Reiner ist Project Lead Innovation bei Hager in Blieskastel.
2 / 2

Ähnliche Beiträge