Abbildung von Klassenraum

(Quelle: Christoph/Alt Fotografie Elmshorn)

Ein Fenstergriff, ein Lichtschalter und ein paar Neonröhren – die Gebäudetechnik in Schulen ist häufig wenig bis gar nicht vorhanden. Dabei verbessert eine sinnvolle TGA die Lernumgebung und erhöht damit die Chancen auf guten Lernerfolg. In Hirrlingen im Landkreis Tübingen hat man dies verstanden und die Erweiterung der örtlichen Schule entsprechend geplant und realisiert.

Der Neubau bietet neben drei Klassenräumen auch vier Räume zur Kernzeitbetreuung. Architekt Frank Schillinger vom Büro Schillinger Architekten aus Rottenburg schildert die Anforderungen: „Aus unserer Sicht sollte sich der Erweiterungsbau in die kleinteilige Dorfstruktur einfügen, mit dem vorhandenen Raum auskommen und Erweiterungspotenzial bieten.“ So entstand eine L-förmige Gebäudeform mit einer Terrasse und mit Aufstockungspotenzial für zwei weitere Klassenräume.

Kindgerechte, aufgeräumte und geradlinige Atmosphäre

Der Architekt legte Wert auf eine freundliche, warme Atmosphäre: „Wenn Sechsjährige zum ersten Mal ihre neue Schule betreten, sind sie aufgeregt oder haben eventuell Versagensängste“, beschreibt er die Situation aus Kinderperspektive. „Mit warmen Materialien und einer ruhigen Akustik kann der Übergang in einen neuen Lebensraum behutsam und motivierend geschehen. Solche ersten Eindrücke bleiben hängen.“

Trotz des Kostendrucks, dem alle öffentlichen Gebäude unterliegen, gelang es F. Schillinger, Akzente zu setzen. Farbgebung und Materialien erinnern an einen Laubwald zu verschiedenen Jahreszeiten. Schallabsorbierende Decken, zum Teil mit einer offenen, raumhaltigen Dachform, sorgen für eine ruhige Akustik und ein großzügiges Raumerlebnis. Eine Besonderheit ist unter anderem der Boden aus massiven Eichendielen. Er kann mehrfach abgeschliffen werden. Während ein Boden aus Gummi oder Kautschuk komplett ausgewechselt werden müsste, ist diese Wahl sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich.

Passend zur nachhaltigen Architektur nutzte Schillinger auch bei der Gebäudetechnik alle Möglichkeiten, um Energie zu sparen. Neben einer Steuerung für Beleuchtung und Beschattung gehört dazu auch eine Lüftungsanlage. Sie bietet vor allem in der kalten Jahreszeit erhebliche Vorteile. Die Luftqualität in den Räumen bleibt auch ohne regelmäßiges Stoßlüften hoch. Die Lüftung springt an, wenn der CO2-Gehalt im Klassenzimmer einen vorgegebenen Wert übersteigt. Gleichzeitig lässt sich durch Wärmerückgewinnung viel Energie einsparen. Eine PV-Anlage auf dem Dach erzeugt in der Regel mehr Energie, als die Lüftungsanlage benötigt. Der Überschuss geht in den Altbau. Dadurch entfallen Batteriespeicher oder aufwendige Verfahren zur Einspeisung in das öffentliche Netz.

 

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