Jürgen Wodzik ist Geschäftsführer der Ionium GmbH (Quelle: Ionium)
Das Unternehmen setzt dabei auf sein Ionium One-Go-Konzept, das Planung, Hardware, Software, Projektumsetzung, Betrieb und Service zusammenführt. Ziel ist es, die oft komplexen und langwierigen Prozesse rund um Ladeinfrastruktur-Projekte zu vereinfachen. Hintergrund ist unter anderem der wachsende Druck auf Unternehmen, Standorte und Fuhrparks zu elektrifizieren. Bis 2030 müssen in Europa mehrere Millionen zusätzliche Ladepunkte entstehen. Gleichzeitig werden Projekte häufig durch lange Abstimmungsprozesse, Schnittstellenprobleme und unterschiedliche Zuständigkeiten verzögert. „Viele Unternehmen unterschätzen inzwischen nicht mehr die Fahrzeuge selbst, sondern die Komplexität hinter Energieversorgung, Lastmanagement und Ladebetrieb“, erklärt Jürgen Wodzik, Geschäftsführer der Ionium GmbH, der sich nach schwerer Krankheit zur Power2Drive zurückmeldet.
Fokus auf Logistik, E-Lkw und Megawattladen
Ionium konzentriert sich vor allem auf leistungsstarke DC-, HPC- und MCS-Ladeinfrastruktur für gewerbliche Anwendungen. Das Portfolio reicht von 50 kW bis 900 kW Ladeleistung und umfasst darüber hinaus Lösungen für das Megawatt Charging System (MCS) bis 1,5 MW für einen Ladepunkt.
Besonders im Logistik- und Transportsektor steigt der Bedarf an skalierbaren Schnellladelösungen derzeit stark an. Neben elektrischen Transportern und Bussen rücken zunehmend schwere Nutzfahrzeuge in den Fokus. Entsprechend gewinnen Themen wie Netzanschluss, Lastmanagement, Batteriespeicher und Energieintegration an Bedeutung.
Mit der neuen i-light-Plattform adressiert Ionium insbesondere die Anforderungen von Logistikunternehmen und Betreibern großer Nutzfahrzeugflotten. Je nach Auslegung des Standorts und verfügbarer Netzanschlussleistung sind bereits heute bis zu acht Ladepunkte mit bis zu 1,6 MW Ladeleistung insgesamt realisierbar. Damit bewegt sich das System in einer Leistungsklasse, die insbesondere für das schnelle Nachladen schwerer Elektro-Lkw entlang von Logistikkorridoren oder an Depotstandorten relevant wird.
AVL setzt auf zwei 900-kW-Ladesysteme
Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis liefert AVL. Das Unternehmen nutzt an seinem Prüfstand für neue Elektrofahrzeuge inzwischen Ladeinfrastruktur von Ionium mit einer Ladeleistung von zweimal 900 kW, die sich asymmetrisch verteilen lassen. Die Anlage ermöglicht mit bis zu 800 kW pro Ladepunkt Ladeleistungen, die bereits heute deutlich über dem liegen, was viele öffentliche Schnellladestandorte derzeit anbieten. Für Ionium zeigt das Projekt, dass die Nachfrage nach Hochleistungs-Ladeinfrastruktur längst nicht mehr auf Pilotprojekte beschränkt ist. Vielmehr entstehen zunehmend Anwendungen, bei denen Ladeleistungen im oberen HPC- und MCS-Bereich erforderlich sind.
Erkennung von Kabeldiebstahl
Parallel arbeitet Ionium gemeinsam mit i-charging an zusätzlichen Sicherheitsfunktionen für Ladeinfrastruktur. Vorgestellt wurde zuletzt eine Lösung zur Erkennung von Kabeldiebstahl und Beschädigungen. Diese soll Echtzeit-Benachrichtigungen ermöglichen und je nach Standortkonfiguration beispielsweise Alarmierung, Beleuchtung oder die Anbindung externer Sicherheitssysteme unterstützen.
Die Power2Drive Europe 2026 dürfte einmal mehr zeigen, dass sich der Markt für Ladeinfrastruktur zunehmend vom reinen Hardwaregeschäft hin zu integrierten Energie- und Betriebslösungen entwickelt. Gerade im Bereich Logistik und Transport werden künftig nicht nur Ladeleistungen, sondern vor allem Skalierbarkeit, Netzintegration und wirtschaftlicher Betrieb über den Erfolg von Ladeprojekten entscheiden.