Öffentlicher Parkturm: Mobil hoch hinaus (Quelle: SEW-Eurodrive)
Zahlreiche Herausforderungen stehen heute vor großen Städten: viel individueller Personenverkehr, ein hohes Maß an Verbauung und die damit einhergehende Bodenversiegelung. Immer weniger Platz steht für den so dringend benötigten Wohnbau steht zur Verfügung. Oft sind bei Bauprojekten die verpflichtenden Pkw-Stellplätze der limitierende Faktor. Sie müssen bei Budgetierung und Genehmigungsplanung berücksichtigt werden. Zudem ist der Bau von Tiefgaragen mit hohen Kosten und CO2-Emissionen verbunden. Auf der anderen Seite liegt die Elektromobilität im Trend, doch die Infrastruktur dafür ist vielfach noch unzureichend – es gibt zu wenig Ladepunkte. Die VePa Vertical Parking GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, Städte lebenswerter zu machen. Dafür will das Münchner Start-up-Unternehmen Parkmöglichkeiten auf kleinstem Raum schaffen und so die umweltschädliche Bodenversiegelung reduzieren.
Im bevölkerungsreichen Asien sind bereits seit einiger Zeit vertikale Parksysteme in Betrieb. Derartige Lösungen auch für Deutschland zu entwickeln, inspirierte die beiden VePa-Gründer, David Schön und Simon Schubnell. Sie führen Gespräche mit Städten, Gemeinden und Projektentwicklern, darunter der Baufirma Adldinger in Kranzberg. Nachdem sie eine positive Resonanz erhielten, wagten die Gründer 2021 den Schritt in die Selbstständigkeit.
Großer Nutzen, kleine Grundfläche
Vertikale Parksysteme stellen eine zukunftsweisende Lösung dar, um städtische Flächen effizienter zu nutzen. VePa entwickelte innovative Parktürme mit einem automatisierten Paternoster-Parksystem als zukunftsfähige Lösung für die urbane Stellplatzproblematik. „Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir zwei Welten miteinander vereinen müssen – den Bau des Parkturms als Gebäude einerseits und als Maschine andererseits“, erläutert Co-Founder S. Schubnell. Beides ist an eine Vielzahl rechtlicher Vorgaben geknüpft.
Auf 49 m2 , auf denen sonst drei bis vier Fahrzeuge Platz finden würden, entstehen acht, zehn oder zwölf Stellplätze, perspektivisch sogar 16. Diese hohe Flächeneffizienz ermöglicht es Städten, an anderer Stelle wertvolle Flächen zu entsiegeln. Auch für Neubauten und Nachverdichtungen schaffen die Parktürme Mehrwert: Projektentwickler können künftig auf aufwendige Tiefgaragen verzichten und so wirtschaftlicher und nachhaltiger planen.
Bereits im Herbst 2023 wurde im oberbayerischen Freising, unweit des Münchner Flughafens, ein erster Parkturm mit acht Pkw-Stellplätzen als Prototyp in Betrieb genommen. Das Bauunternehmen Adldinger ist der Betreiber dieses Parkturms. Nach einem zweijährigen, erfolgreichen Test mit einem geschlossenen Personenkreis wurde im Frühjahr 2025 der erste öffentliche Parkturm im Münchner Werksviertel, in der Nähe des Ostbahnhofs, eröffnet. Er bietet zwölf Fahrzeugen bis zur Größe eines SUV Platz.
Laden per App
Die Stellplätze sind jeweils mit einer Wallbox zum Laden von Elektrofahrzeugen ausgestattet. Die komplexe Entwicklung der Ladestruktur war besonders anspruchsvoll, auch ein Patent reichte das Start-up dafür ein. Das Laden erfolgt über „Charge Point“, eine modulare Softwareplattform für E-Mobilitätsdienstleister und Ladestationsbetreiber. Sie ermöglicht den Betreibern, ihre Ladestationen zu verwalten und zu überwachen und den Nutzern das problemlose Laden ihrer Elektrofahrzeuge. Dazu installiert man die App Charge Point auf dem Smartphone, hinterlegt eine Zahlungsmethode und wählt den gewünschten Ladepunkt aus. Ohne Smartphone kann man alternativ auch eine Ladekarte an der Ladestation verwenden.