Drei typische Umsetzungsvarianten in der Praxis

Typische Umsetzungsvarianten zur Einbindung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen: Direktsteuerung oder Energiemanagementsystem (EMS) (Quelle: ABB; grafische Umsetzung: Sonepar)
In der Praxis haben sich aktuell drei grundlegende technische Ansätze etabliert, um steuerbare Verbrauchseinrichtungen einzubinden.
Die einfachste Variante ist die Direktsteuerung per Relais. In diesem Fall wird die Anlage über Relaiskontakte im Engpassfall in ihrer Leistung begrenzt. Diese Lösung ist technisch unkompliziert und vergleichsweise kostengünstig, bietet jedoch wenig Flexibilität und kaum Möglichkeiten zur späteren Erweiterung.
Eine zweite Möglichkeit ist die Direktsteuerung per EEBus. Der EEBus ist ein herstellerübergreifender, offener Kommunikationsstandard, der smarte Geräte vernetzt, wie Wärmepumpen, Wallboxen, PV-Anlagen und Batteriespeicher, um Energieflüsse im Haushalt zu optimieren. Hier werden steuerbare Verbrauchseinrichtungen digital an die Steuereinrichtung angebunden. Mehrere Geräte können über ein Netzwerk mit der Steuereinrichtung kommunizieren und gezielt gesteuert werden. Diese Variante ist ideal für Anwendungen mit bis zu vier steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und weist eine mittlere technische Komplexität auf.
Die umfassendste Lösung ist ein Energiemanagementsystem (EMS), angesteuert über EEBus. Das EMS koordiniert den Energiefluss zwischen Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Raumkühlgeräten und Ladeinfrastruktur, kann selbsterzeugten Strom einbeziehen und Lasten flexibel verteilen. Solche Systeme bieten hohe Zukunftssicherheit, ermöglichen die Einbindung unterschiedlicher Bussysteme und können perspektivisch auch dynamische Stromtarife und weitere energiewirtschaftliche Funktionen integrieren.
Steuerung bleibt die Ausnahme
Viele Anlagenbetreiber befürchten, dass ihre Geräte regelmäßig vom Netzbetreiber gedrosselt werden. In der Praxis ist das kaum zu erwarten: Steuerungsmaßnahmen sind ausschließlich für kritische Netzsituationen vorgesehen und gelten als letztes Mittel zur Netzstabilisierung.
Netzbetreiber müssen jede Aktivierung dokumentieren und bei wiederholtem Auftreten langfristig Netzausbau‑ oder Verstärkungsmaßnahmen planen. Die Steuerung ersetzt also keinen Netzausbau, sondern dient in erster Linie als temporäre Sicherung des Betriebs.
Informationsbedarf im Markt
Trotz der geltenden Regelung besteht weiterhin Informationsbedarf in der Branche. Häufig stellt sich die Frage, wie mehrere Geräte unterschiedlicher Typen gemeinsam zu betrachten sind und wie sich die Summenleistungen der einzelnen Verbrauchergruppen verhalten. Wird die Schwelle von 4,2 kW überschritten, greifen die Vorgaben des § 14a EnWG.
Für Planer und Installateure bedeutet das, Anlagen ganzheitlich zu betrachten, Ihre Kunden zu beraten und Steuerungskonzepte frühzeitig in die Projektplanung einzubeziehen.
Unterstützung für Fachbetriebe
Für viele Elektrofachbetriebe bedeutet § 14a EnWG zusätzliches Know‑how jenseits des Tagesgeschäfts. Der Elektrogroßhändler Sonepar unterstützt Installationsbetriebe mit praxisorientierten Schulungen über die Sonepar-Akademie, in denen technische Grundlagen, gängige Systemlösungen und Anforderungen der Netzbetreiber vermittelt werden.
Auch auf der Veranstaltungsreihe Trend + Technik wird das Thema aufgegriffen. Ergänzend stellt Sonepar Informationsmaterialien, Anwendungshilfen und Systemlösungen zur Verfügung, um Elektrofachbetriebe bei Planung und Umsetzung zu unterstützen.
Schritt in Richtung intelligentes Energiemanagement
Der § 14a EnWG markiert einen wichtigen Schritt hin zu einem digital gesteuerten Energiesystem. Steuerbare Verbraucher, intelligente Messsysteme und Energiemanagementlösungen werden künftig immer enger miteinander vernetzt.
Für das Elektrohandwerk verbindet das neue Chancen mit neuen Anforderungen. Wer sich frühzeitig mit Steuerungskonzepten, Energiemanagement und Messinfrastruktur auseinandersetzt, kann seine Kunden nicht nur bei der Installation, sondern auch bei der langfristigen Optimierung ihrer Energieversorgung kompetent begleiten.