Gebäudeautomation für mehr Energieeffizienz
Die Gebäudeautomation kann einen Beitrag zu mehr Energieeffizienz in Gebäuden liefern. Doch ist dieser Vorteil auch allen Verantwortlichen bekannt? Die Redaktion sprach mit Prof. Michael Krödel über die Verbreitung der Gebäudeautomation in heutigen Bauvorhaben.
Herr Prof. Krödel, wer unterstützt einen Bauherren, der sich für den Einsatz energieeffizienter Gebäudesysteme interessiert?
M. Krödel: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich spezialisierte Systemintegratoren, die ursprünglich aus dem Bereich der IT kommen, intensiv mit den Themen Smart Home und Building Automation befassen. Auch die Fachplaner aus dem Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) widmen sich verstärkt der Gebäudeautomation.
Erhält ein Bauherr, der für sein Gebäude eine Zertifizierung anstrebt, auch automatisch eine leistungsfähige Gebäudeautomation?
M. Krödel: Bei Zertifikaten, wie Leed und DGNB, ist die Gebäudeautomation nur ein kleiner Teil der Bewertungskriterien. Sie eignen sich daher für den Bauherrn nur bedingt als Vorgabe für die TGA-Planung.
Technische Gebäudesysteme werden heute zunehmend vernetzt. Wer beherrscht die dadurch steigende Komplexität?
M. Krödel: Bei der Planung eines Gebäudes wird die Aufgabe sehr schnell auf die einzelnen Fachbereiche, wie Heizung, Beleuchtung und Elektrotechnik, aufgeteilt. Es gibt meist keine Instanz, die festlegt, was gewerkeübergreifend funktionieren muss. Was wir brauchen, ist ein Integrationsplaner.
Eine moderne Gebäudeautomation stellt den Betreiber vor neue Aufgaben. Was müssen die Verantwortlichen beachten?
M. Krödel: Die Nachoptimierung der Gebäudemanagementsysteme wird leider oft vernachlässigt. Fehlfunktionen werden zum Teil erst spät erkannt, wenn das ausführende Unternehmen sein Gewerk bereits fertiggestellt hat. In der Praxis kommt es zum Beispiel vor, das Temperatursensoren direktem Sonnenlicht ausgesetzt sind und somit die Systeme nicht komfortabel und effizient arbeiten. Moderne Systeme müssen auch im laufenden Betrieb überwacht und nachoptimiert werden; dies ist eine besondere Aufgabe für das Facility Management.
Literatur
- IGT-Studie: Analyse der EnEV 2014 hinsichtlich Anforderungen der Gebäudeautomation, IGT – Institut für Gebäudetechnologie GmbH, 2014
- DIN V 18599 Energetische Bewertung von Gebäuden – Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung. Berlin: Beuth
- DIN EN 15232:2012-09 Energieeffizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement. Berlin: Beuth
- DIN V 4108 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden. Berlin: Beuth
- DIN V 4701 Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen. Berlin: Beuth