Nahwärme im Weltkulturerbe: Holzvergaser-BHKW in Herrenchiemsee (Quelle: antranias-herrenchiemsee-monastery-1021305_1920)
Bereits seit vielen Jahren versorgt ein Nahwärmenetz die Schlossgebäude, Werkstätten und landwirtschaftlichen Bereiche der Insel. Bisher erfolgte die Wärmeerzeugung durch einen Hackschnitzelkessel mit Heizöl-Back-up. Als der alte Kessel defekt wurde, nutzte der Bauherr die Chance zur Neuausrichtung: Statt ausschließlich Wärme zu erzeugen, sollte künftig auch Strom aus regionalen Ressourcen gewonnen werden.
Ein zusätzlicher wichtiger Impuls: Das 2021 in Kraft getretene Bayerische Klimaschutzgesetz verpflichtet staatliche Einrichtungen, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. Die Herreninsel verfügt über rund 150 ha eigene Wälder, die seit jeher nachhaltig bewirtschaftet werden und mehr Holz liefern, als für das Versorgungsnetz benötigt wird. Die Grundlage für ein ressourcenschonendes, regionales Energiekonzept war also ideal. Mit der neuen Anlage wird die Wärme- und Stromversorgung weitgehend auf erneuerbare Energien umgestellt, wodurch sich jährlich rund 265 t CO₂ einsparen lassen.
Holzgas aus Hackschnitzeln
Im Zentrum des neuen Systems steht eine Blockheizkraftwerkanlage des Herstellers Spanner Re2 (HKA-70-Prozess). Sie nutzt ein Holzvergasungsverfahren, um aus Hackschnitzeln Holzgas zu erzeugen. Die Hackschnitzel stammen dabei komplett aus dem eigenen Inselwald und werden vor Ort produziert. Das Holzgas treibt wiederum einen Motor an. So entsteht gleichzeitig elektrische Energie und nutzbare Wärme in einem gekoppelten Prozess. Die Anlage verbraucht dabei rund 33 kg Hackschnitzel pro Stunde eine bewusst kompakt dimensionierte Lösung, die exakt auf den Grundlastbedarf des Netzes zugeschnitten ist. Das HV-BHKW deckt die Grundlast des Wärmenetzes und liefert 60 kW elektrische sowie 120 kW thermische Leistung für die Schlossliegenschaften – und ergänzt damit die bereits vorhandene PV-Anlage auf den Lagerhallen der Insel um eine grundlastfähige Stromquelle. Die Anlage erzeugt dabei jährlich rund 400000 kWh Strom, der überwiegend vor Ort genutzt wird und den Netzbezug entsprechend reduziert.
Für Spitzenlastsituationen wurden zwei zusätzliche Hackschnitzelkessel mit jeweils 240 kW Leistung installiert, die seit 2021 im Bräuhausstock der Anlage untergebracht sind und als Spitzenlast- und Reservekessel dienen. Die Regelungshierarchie ist dabei klar definiert: Das BHKW läuft als Grundlasterzeuger mit Priorität eins, die Hackschnitzelkessel übernehmen bei höherem Bedarf die zusätzliche Wärmebereitstellung. „BHKW wollen möglichst kontinuierlich betrieben und selten neu gestartet werden“, erklärt Gammel-Projektleiter Thomas Reithmeier. „Nur so lässt sich neben der thermischen auch die elektrische Energie wirtschaftlich sinnvoll gewinnen.“
Die Anlage wurde dabei bewusst kompakt dimensioniert: Sie orientiert sich am kontinuierlichen Grundlastbedarf des Netzes und ermöglicht so einen stabilen und wirtschaftlichen Betrieb.