Abwärmenutzung und Brennstofftrocknung

Das Holzvergaser-BHKW (Spanner Re² HKA 70) erzeugt aus Hackschnitzeln vom eigenen Inselwald gleichzeitig 60 kW Strom und 120 kW Wärme für das historische Ensemble. (Quelle: Fotograf Vetter)
Ein besonders intelligentes Detail: Um die besondere Effizienz des Holzvergasers zu gewährleisten, müssen die Hackschnitzel stark getrocknet werden. „Wir haben einen hohen Anspruch an den Brennstoff. Der darf maximal noch zehn Prozent Feuchteanteil haben“, erläutert Projektleiter T. Reithmeier.
Statt dafür zusätzliche Energie aufzuwenden, nutzt das System die ohnehin anfallende Abwärme des BHKW direkt zur Brennstofftrocknung. Über ein Heizregister wird Luft erwärmt, die anschließend durch den Brennstoff geführt wird. So entsteht ein geschlossener Energiekreislauf, der insbesondere bei geringer Netzlast im Sommer eine sinnvolle Nutzung überschüssiger Wärme ermöglicht.
Die bereits vorhandene 40 m lange Hackschnitzelhalle wurde um ein Gebäude für Trocknung und Brennstoffbunker ergänzt, das gut in die bestehende Struktur eingebunden ist. Das neue BHKW wurde im Untergeschoss untergebracht, damit die erwärmte Luft ohne lange Wege zur Trocknung gelangt.
Eine rund 100 m lange neue Trasse verbindet die Anlage mit dem Bestandsnetz – ein entscheidender Schritt, um die Energie aus dem HV-BHKW in alle angeschlossenen Gebäude transportieren zu können.
Die eigentliche technische Komplexität zeigte sich bei der Integration in das bestehende Wärmenetz: Viele Bestandsleitungen waren nicht vollständig dokumentiert, und das neue System musste hydraulisch exakt mit der vorhandenen Struktur harmonieren.
Josef Fortner, verantwortlicher Projektleiter des Staatlichen Bauamt Rosenheim, betont: „Die Planung hat sehr gut funktioniert, man musste ja vor allem an das Zusammenwirken mit dem Bestand denken. Im bestehenden Netz war vorher nicht alles klar und bekannt. Das alles muss hydraulisch zusammenlaufen.“
Umsetzung im denkmalgeschützten Bestand
Die Arbeiten fanden im denkmalgeschützten Umfeld der Herreninsel statt, wo Denkmal- und Naturschutzvorgaben eng miteinander verzahnt sind. Über drei Jahre begleitete Gammel Engineering die Planung durch ein anspruchsvolles Genehmigungsumfeld. Umso wertvoller war die enge Zusammenarbeit zwischen Bauherrn und Ingenieurteam.
Äußerlich blieb das historische Ensemble dabei nahezu unverändert: Die einzige sichtbare Ergänzung ist ein dreizügiger Kamin, der sorgfältig ins Landschaftsbild eingepasst wurde. Größere Eingriffe in die Substanz konnten trotz des sensiblen Umfelds vermieden werden. „Da haben wir grundsätzlich von der äußerlichen Hülle nichts verändert“, so T. Reithmeier.
Seit Ende September 2025 läuft das Holzvergaser-BHKW im Vollbetrieb. Einige Feinjustierungen sind noch im Gang, doch der Erfolg des Systems steht außer Frage. Michael Gammel, Geschäftsführer der Gammel Engineering GmbH, zeigt sich hochzufrieden: „Ein Projekt, das aus unserer Sicht beispielhaft dafürsteht, wie die Energiewende auch in denkmalgeschützten Gebäuden gelingen kann.“
Das Projekt Herrenchiemsee reiht sich ein in eine lange Liste erfolgreicher Nahwärmeprojekte, die Gammel Engineering in den vergangenen Jahren realisiert hat. Das neue Nahwärmekonzept verbindet regionale Ressourcen, effiziente Kraft-Wärme-Kopplung und eine technisch anspruchsvolle Integration in eine historische Bausubstanz. Die Herreninsel gewinnt damit eine besonders nachhaltige, resiliente Energieversorgung – und beweist, dass erneuerbare Energien und Kulturerbe sich hervorragend ergänzen können. Ein Ansatz, der für zahlreiche weitere Kommunen und Kulturgüter in Deutschland von Interesse sein dürfte.

